Der Blog

Hier scheibe ich ein Jahr lang bis zur Bundestagswahl am 28.9.2025 über meine Motive und selektive Themen, auch welche außerhalb meines Programms. (Die Chronologie ist von unten nach oben.)

Der Weg ist das Ziel

(20.9.2024) Im Intro „Warum dieser Blog“ habe ich vollmundig das Ziel herausgegen, Bundeskanzler werden zu wollen. Das ist zwar aus dramaturgischen Gründen ganz nett, aber wegen der geringen Wahrscheinlichkeit wird dieses Ziel diesen Blog nur mit einem sehr flachen Spannungsbogen versorgen können. Deshalb muss ich mich ehrlich machen. Was will ich wirklich? A. Massive Reformen anstoßen und B. den Parlamentarischen Weg dafür gehen. 

Der Dienstweg für ein solches Vorhaben ist in eine Partei einzutreten, dort etwas Bella Figura zu machen und sich zum Kandidaten für die Bundestagswahl aufstellen zu lassen. Mit etwas Glück schafft man es als Direktkandidat oder über die Landesliste in den Bundestag. Das ist wirklich ein realistischer Weg, so groß ist der Andrang bei den Parteien für diese Kandidaturen nicht. Jedoch macht man dann die Politik der jeweiligen Partei, die auf Parteitagen beschlossen wird. Eigene Konzepte von einzelnen Abgeordneten stören, eine Fraktion ist sowieso schon wie ein Sack Flöhe. Das kann nicht mein Weg sein, denn im Mittelpunkt stehen Probleme und Reformen und ich kann derzeit nicht erkennen, wie die Parteien gute Antworten finden. Nur im Bundestag zu sitzen, ist am Thema vorbei. Deswegen will ich mit eigenen ausformulierten Reformen vorpreschen und den Diskurs befeuern. Wenn am Ende noch bessere Lösungen herauskommen, soll es mir recht sein – Hauptsache die Probleme werden gelöst. Sollte eine Partei meine Ideen „ausborgen“, wäre ich auch zufrieden, das spart mir Arbeit und ich kann Enten füttern, statt mich in Sitzungssälen abzumühen. Es geht um den sprichwörtlichen „Ruck“, den der damalige Bundespräsident Roman Herzog angemahnt hat! 

Die Verfassungsmütter und -väter hatten eine besondere Sympathie für solche Außenseiter, die sie „Einzelbewerber“ genannt haben. Sie haben dem Einzelbewerber wenige Steine in den Weg gelegt. So kann er in jedem Wahlbezirk in Deutschland kandidieren, unabhängig davon, wo er geboren ist oder seinen Wohnsitz hat. Damit aus einer Bierlaune heraus nicht zu viele Einzelbewerber kandidieren und den Wahlzettel zu einer Tapetenrolle anschwellen lässt, muss jeder Einzelbewerber 200 Unterstützungsunterschriften einsammeln. Ein Unterstützer muss in dem jeweiligen Wahlkreis wahlberechtigt sein (bei mir ist es der Wahlkreis Köln II - 93) und kann nur einen Einzelbewerber unterstützen. Anschließend wählen muss der Unterstützer ihn nicht. Das heißt es kann bei 61 Mio. Wahlberechtigten maximal 305.000 Einzelbewerber geben. Für die Bundestagswahl 2025 schätze ich die Zahl auf ca. 250 Einzelbewerber, der Trend ist steigend. Das reicht noch nicht mal für einen Einzelbewerber je Wahlkreis. Es kann gut sein, dass ich für den Wahlkreis Köln 093 der einzige Einzelbewerber sein werde. 

Die Liebe der der Verfassungsmütter und -väter wurde über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (1977) bei der jüngsten Wahlreform fortgesetzt. Mittlerweile ist es bei einem Direktkandidaten nicht mehr garantiert, dass er in den Bundestag einzieht, wenn er seinen Wahlkreis gewinnt. Ausnahme der Einzelbewerber, dem ist bei einem Wahlsieg ein Sitz im Bundestag sicher. Das ist viel Liebe zum demokratischen Detail für eine pathologische Konstruktion. In der Geschichte der Bundesrepublik haben es nur zwei Personen (Richard Freudenberg und Eduard Edert) geschafft, als Einzelbewerber einen Wahlkreis zu gewinnen. Der eine dank seiner unternehmerischen Strahlkraft, der andere, weil sich CDU, FDP und DP auf ihn als gemeinsamen Kandidaten einigten, um einen Kandidaten des SSW zu verhindern. Beide waren zuvor Mitglieder der NSDAP. Das war 1949, seitdem ist es keinem Einzelbewerber mehr gelungen, einen Wahlkreis zu gewinnen.
 

Da habe ich mir etwas vorgenommen! Warum tue ich mir das an? Deshalb: Ein Kandidat für den Bundestag darf in Köln 10 Wochen lang vor der Wahl plakatieren. Das heißt, ich kann Köln mit meinen Parolen, Konzepten und Reformideen vollpflastern und keiner kann etwas dagegen machen. Ein Traum für jeden Phantasten! Und während die anderen Parteien gephotoshopte Bilder ihrer Kandidaten mit Parolen wie „Sicherheit und Freiheit“ plakatieren, wird bei mir viel Prosa stehen. Ich bin kein Mann großer Worte, aber vieler. Der Wahlkampf ist mein Ziel: Reformideen publik machen, Diskussionen lostreten, die Verkrustung etwas aufbrechen - alles andere ist Bonusmaterial. Und wenn meine Plakate geistig weggefiltert werden, im Rohr krepieren, dann habe ich es nicht besser verdient. Aber daran glaube ich nicht. Es wird zwar nicht Rumms machen, aber ein bisschen scheppern wird es schon. Denn die Plakate werden provokant sein.      

 

 

Warum dieser Blog?

(19.9.2024) Um es kurz zu machen: Die Welt ist schlecht und um das zu ändern, will ich Bundeskanzler werden.

Diese Aussage ist zwar griffig, aber auch ein wenig geflunkert. In den letzten 150 Jahren ist die Welt immer besser geworden: Die Säuglingssterblichkeit ist gesunken, die Alphabetisierungsquote und die Lebenserwartung sind gestiegen genauso die Anzahl der Mobiltelefone und Flachbildschirme. Was will man mehr?! Aber: besser als gestern ist immer noch nicht gut. Und auf der anderen Seite: so richtig Bundeskanzler will ich auch nicht werden. Mein Leben ist komfortabel. Als privilegierter Mensch (weiß, deutsch, gesund) hat man Optionen, die ich bisher zu meinem Wohlbefinden gut genutzt habe. Wieso sich dem Stress und der Frustration eines Bundeskanzlers aussetzten?

Hier die Motivation: Du sitzt vor dem Fernseher und schaust eine Quizshow. Der Kandidat quält sich mit einer Frage. Du hast die richtige Antwort schon längst ins Wohnzimmer posaunt. Kennste die Situation, ne?! So geht es mir bei Politiktalkshows. Mein Wohnzimmer kann es nicht mehr hören, ich muss jetzt raus die Welt retten! Ich fange erstmal mit Deutschland an, dann gucken wir weiter. (Falls Tim Bendsko diesen Blog liest, bitte mal Handzeichen.) 

Weltrettung ist ein mühseliges Geschäft. Es gibt verschiedene Wege. Da gibt es die Religionsgemeinschaften, die mit göttlichem Rückenwind die Welt über die Charakterschiene drehen wollen. Fakt ist, dass sie sich seit 3000 Jahren an den 10 Geboten abarbeiten. So viel Zeit habe ich nicht. Dann gibt es die NGOs, die sich ein Schwerpunktthema setzen und so lange Rabatz machen, bis sich die Menschheit bewegt. Könnte so laufen. Jedoch ist das Kerngeschäft der NGOs Forderungen zu stellen und nicht Lösungen anzubieten. Das ist mir zu wenig. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, richtig reich zu werden und mit dem Geld die Welt zu retten. Hat aber noch nie geklappt, an Versuchen hat es nicht gemangelt. Dann doch lieber über die Politik.

Zu mir: Ich bin 60 Jahre alt. Ich bin in keiner Partei und war es wahrscheinlich auch nie. Ich habe noch nie etwas in sozialen Netzwerken gepostet, ich habe noch nie einen Leserbrief geschrieben. Ich habe noch nie einen Kredit beantragt, ich habe noch nie einen Punkt in Flensburg gehabt. Ich bin eine sehr, sehr graue Maus. Ich schiebe keine akademischen oder sonstige Titel vor mich her, ich habe beruflich keine Karriere gemacht. Ich bin nie aus dem Sumpf der Sachbearbeitung herausgekommen. Ich habe eine technisch-kaufmännische Berufsausbildung und habe mich die ersten 17 Berufsjahre als Angestellter in einem Konzern und danach als freier Mitarbeiter verdingt. Ich habe kein Charisma, es gibt wirklich nichts, was mich für das Amt des Bundeskanzlers qualifiziert. (Mein Kumpel Matse würde sagen, dass da deutlich zu viele „ich“s in dem Abschnitt war. Er hat recht.)

Mein Steigbügel ins Kanzleramt ist der Verstand. Nicht mein eigener, schön wär‘s, sondern der der Wähler. Drei Durchschnittsbegabte ersetzen ein Genie. Wir haben 84 Mio Bürger da draußen, davon 61 Mio Wahlberechtigte. Ich will nicht, dass man mir vertraut. Ich will, dass man mich versteht. Die Änderungen, die mir vorschweben, sind so erheblich, dass selbst ein doppelter Nobelpreisträger dank seiner Titel diese nicht durchwinken könnte. Deshalb fange ich mit der Bugwelle erst gar nicht an, auch wenn meine sehr mickrig ausfallen würde.

Das hört sich nach Wahlprogramm an. Richtig. Habe ich noch nicht veröffentlicht, kommt aber noch. Fakt ist: Alle Probleme, die man mit einfachen Lösungen lösen kann, sind bereits gelöst. So schlecht waren die Politiker in den letzten Jahrzehnten nicht. Es sind nur noch die Probleme geblieben, die komplizierter Lösungen bedürfen. Die Parteien – und zwar durch die Bank – trauen dem Wähler nichts zu. Vox plebi, Vox Rindvieh. Deren Wahlprogramme (ich lese sie alle) sind so griffig wie Horoskope, echte Problemlösungen stehen da nicht drin. Es könnte sich jemand aufregen. Das ist meine Chance: Man muss es dem Wähler nur gut erklären, dann ist er auch bereit, die Leiden des Wechsels zu ertragen. Wie ein Arzt, der sagt, gleich piekst es etwas. 

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die politische Lage in Deutschland und global verkrustet ist. Es ist ein 3-Fronten-Krieg, an denen keine der Seiten nennenswerte Geländegewinne zu verzeichnen hat. 1. Ausländer rein gegen Ausländer raus 2. Steuern rauf gegen Steuern runter und 3. Mehr Geld für Bildung, Rüstung, Infrastruktur, Soziales etc. Bei diesem 3-Fronten-Krieg will ich nicht mitmachen, kann ich auch nicht, sonst verschwinde ich in eine der großen Schubladen. Das heißt, was immer ich vorschlage, ich muss einen großen Bogen um diese drei Fronten machen. Im Umkehrschluss, alles muss sich in sich selbst finanzieren: Keine Steuererhöhung, keinem anderen Ressort Budget wegnehmen, keine langfristige Erhöhung der Staatsverschuldung. Und das bei Lösung für brennende Probleme von Deutschland und der Menschheit.

Als ob die Latte nicht schon hoch genug hängen würde. Aber meine Lösungen müssen originell sein. Ich finde es nicht verwerflich, gute Lösungen nachzuplappern. Aber als Megafon taugt dieser Blog nicht, das kann der große Journalismus besser.

Ich fasse zusammen: Dieser Blog begleitet mich auf dem Weg ins Bundeskanzleramt oder in die Klapse – der Unterschied zwischen Lichtgestalt und Wahnsinn ist bekanntlich der Erfolg. Der Blog wird am 31.10.2025 enden, falls es keine vorgezogen Wahlen gibt, wovon ich ausgehe. In Anbetracht der Chancen muss es eine spannende und vergnügliche Reise werden, weil ich das Happyend nicht literarisch erzwingen kann. Im Mittelpunkt stehen politische Lösungen und nicht politische Ansichten. Ohne Schaum vorm Mund. Versprochen. Zur Vermeidung von Missverständnissen: Ich bin ein Mensch, kein KI-Bot. Ich freue mich über Feedback und Dialog. Noch.